Die Küche – Suche nach dem richtigen Küchenstudio

Für die Küchenplanung haben wir mit vier örtlichen Küchenstudios Beratungstermine vereinbart und uns Angebote erstellen lassen. So verbrachten wir die letzten Wochen vor in 3D-Programmen aufgebauten Küchen. Wir hatten uns einen Rahmen von 10.000 € gesetzt, was kein riesiges Budget ist, aber man sollte um diese Summe eine schöne, anständige Küche ohne Extravaganzen bekommen. Wir wollten am liebsten etwas mit Holzoptik in Eiche, da unsere Möbel im Wohnzimmer Wildeiche sind. Außerdem wollten wir möglichst viele Auszüge, um an alles Verstaute gut heran zu kommen.

Unsere Erfahrungen waren dabei mit den verschiedenen Studios unterschiedlich und wir möchten sie euch hier gerne weitergeben. Wir nennen dabei nur die Studios mit den positiven Erfahrungen namentlich, da es eigentlich reicht zu wissen, wo man gut hingehen kann.

Küchenstudio 1: Masse ist nicht unbedingt günstiger

Das erste Angebot bekamen wir von einem großen, namhaften Küchenstudio. Unser Budget war für den Berater kein Problem, veranlasste ihn allerdings auch nicht, besonders viel Herzblut hineinzustecken. Das Erstgespräch verlief recht kurz, dafür war das Angebot innerhalb einer Woche fertig. Die Feinheiten besprach der Berater dann beim Folgetermin direkt am 3D-Programm mit uns.

Er hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie unsere Küche auszusehen habe, von der er nicht abzubringen war. So hatte er uns eine Kopffrei-Dunstabzughaube eingeplant, die super-mega-stylisch-modern sein solle, von einer italienischen Marke (von der wir noch nie gehört hatten), eine Flip-Funktion habe und – das Highlight – in unterschiedlichen Farben zu haben wäre. Er hatte es uns in gelb eingebaut, was zu der Eiche-Arbeitsplatte einfach nur scheußlich aussah. Dieses Prachtstück hatte seinen Preis, und hätte mit 1.200 € mal eben 12% des gesamten Küchen-Budgets verschlungen. Als wir uns trauten, zu erwähnen, dass es uns mehr um die Funktion als um das Design geht („form follows function“), war er etwas eingeschnappt und redete so lange, bis wir zustimmten, sie doch drin zu lassen.

Da er die teure Dunstabzugshaube eingebaut hatte, musste er an anderer Stelle sparen, und das waren alle anderen Geräte. Diese waren von Constructa, was er uns als gleichwertig mit Bosch nur nicht über den freien Markt sondern über Küchenstudios verfügbar und deshalb günstiger verkaufte. Ein bisschen Recherche im Internet zeigte uns, dass Constructa zwar zur BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH gehört, allerdings dort eine preiswertere Marke ist.

Die Möbel bot er uns von Wellmann an. Diese Marke gehört zur Alno-Gruppe und befindet sich dort qualitativ im Mittelfeld, wäre also ok für uns. Preislich lag er dennoch etwa 2.000 über unserem Budget. Diesen Unterschied ließ er aber gleich ohne Verhandeln nach, weshalb wir vermuten, dass er uns einen Mondpreis genannt hatte.

Den Vogel abgeschossen hat er allerdings damit, dass er über andere Küchenstudios lästerte und sagte „Die versuchen immer, einen zu einem vorschnellen Abschluss zu drängen, das sollte man nicht mit sich machen lassen.“, nur um zwei Sätze weiter zu sagen: „Ich bin ab nächster Woche in Urlaub den ganzen Dezember über und ab nächstem Jahr gibt es dann neue Preise. Wenn Sie diesen Preis haben möchten, dann sollten Sie jetzt abschließen.“ Nicht, dass es in einem so großen Küchenstudio nicht mehr als einen Berater geben würde, der die Bestellung während seines Urlaubs hätte entgegen nehmen können. Er gab uns auch das Angebot nicht mit mit der Begründung, er habe ja Arbeit in dieses Angebot gesteckt und wir würden es erst nach Vertragsunterzeichnung bekommen.

Da das das erste Angebot war, hatten wir Sorge, dass die anderen, kleineren Küchenstudios mit dem Preis nicht mithalten können würden und wir noch mit dem Berater würden kämpfen müssen, um unsere eigenen Vorstellungen in der Küche zu realisieren. Wir gingen davon aus, bei den anderen Abstriche in der Ausstattung machen zu müssen, beispielsweise bei der Granitspüle oder der Anzahl der Auszüge. Außerdem hatte er uns an der gegenüberliegenden Wand ein Low-Board eingeplant, was uns mangels Speisekammer zusätzlichen Stauraum verschafft hätte. Glücklicherweise war das ein Irrtum. Auch bei den anderen Studios bekamen wir diese Ausstattung und teilweise sogar noch mehr um den selben Preis. Unsere Erfahrung ist also, dass man in diesem Preis-Segment auch gut bei kleineren Studios schauen kann und zumindest in unserem Fall dort bessere Beratung bekommt.

 

Küchenstudio 2: „Mit dem Budget gehen sich aber keine Auszüge aus“

In Küchenstudio 2 waren wir auf Empfehlung von einer Bekannten hin. Der Berater war freundlich, allerdings schaute er etwas entgeistert, als wir unser Budget nannten, und meinte: „Da gehen sich aber keine Auszüge aus!“ Wir waren davon ausgegangen, dass wir uns mit unserem Budget nicht das aktuellste Design, keine Kochinsel und derartige Spielereien leisten können, und auch nicht bei Miele-Geräte schauen müssen. Dass es gar keine Schubladen geben sollte dafür, war dann aber schon etwas extrem.

Als er uns dann beim zweiten Termin seine Planung präsentierte, sah das schon ganz anders aus. Er hatte einige Auszüge eingerechnet. Als Küchenmarke hatte er Häcker Classic ausgesucht, die preisgünstigere Linie von Häcker. Die Geräte waren Blaupunkt, die laut Berater guten Kundenservice bieten. Blaupunkt hat mit dem Hersteller von Autoradios allerdings nichts zu tun, die Marke wurde als Lizenz an Häcker vergeben, die darunter ihre Eigenmarke an Küchengeräten vertreiben. Der Preis ist im unteren bis mittleren Segment angesiedelt. Insgesamt kam er mit einem Gutschein über 3.000 € auf 11.500 €. Er kommunizierte uns auch, dass sie lange Garantie-Zeiten haben.

Die Küche, die er zusammengestellt hatte, war qualitativ gut und entsprach auch in etwa unseren Vorstellungen. Wir hätten aber einige Abstriche machen müssen, z.B. gab es nicht viele Auszüge, keine Granitspüle, keinen Induktionsherd, usw. Hätten wir uns zwischen den ersten beiden Küchenstudios entscheiden müssen, hätten wir uns wahrscheinlich für dieses entschieden aufgrund des besseren Gefühls. Allerdings hätten wir noch einiges ändern und umstellen können, um die Küche für uns alltagstauglich zu bekommen. Insgesamt hatte er auch die wenigste Ausstattung. Allerdings war er besonders auch beim zweiten Gespräch sehr nett und wir hatten das Gefühl, dass das Studio die Küchen auch anständig aufbaut. Er spielte auch mit offenen Karten und gab uns ein detailliertes Angebot mit, auf dieses mussten wir allerdings ein paar Wochen warten.

 

Küchenstudio 3: Scala Küchen | Wohndesign (Markus Lang, Dornbirn AT): Super Beratung und Qualität

Dieses war das erste Küchenstudio, in dem wir uns beraten ließen. Wir hatten beim durch Dornbirn Fahren das Neueröffnungs-Schild gesehen und beschlossen, es uns einmal ansehen zu wollen. Wir kamen recht kurzfristig (da spontane Entscheidung) an einem Samstag Mittag etwa eine Stunde vor Ladenschluss. Inhaber Markus Lang hatte direkt Zeit für uns. Wir bekamen gleich eine super Beratung. Er erklärte uns detailliert alle Vor- und Nachteile bzw. worauf wir achten sollten, zeigte uns ausführlich alle Produkte und Designs, die für uns infrage kommen würden, und maß sogar unsere Ellbogen-Höhe, um die richtige Höhe der Arbeitsplatte zu ermitteln. Die Küchen in seinem Showroom sehen sehr gut und professionell gebaut aus. Es wird zwar mit den hochpreisigen Scala-Küchen geworben, aber auch die normalen Küchen von DAN, einem österreichischen Hersteller, die wir uns dort ansehen konnten, sahen sehr gut aus, und lagen in unserem Budget.

Auch um das Angebot zu besprechen, nahm er sich viel Zeit. Er ging mit uns alle Produkte durch und hatte sie auch alle vorrätig, sodass wir schnell einen guten Eindruck gewinnen konnten. Die Geräte waren vor allem von AEG, nur den Kühlschrank hatte er von Liebherr gewählt mit der Begründung, dass er, wenn es sich ausginge, immer zu Liebherr greifen würde, weil diese die beste Qualität lieferten. Wir waren insgesamt sehr angetan, die Küche gefiel uns sehr gut. Wir bekamen auch eine Auflistung der Produkte im Angebot mit, sodass wir hier auch nochmal in Ruhe uns informieren konnten. Preislich lag er etwa 10% über unserem Budget, was für uns noch vertretbar war, er erwähnte allerdings auch, wo man Abstriche machen könne, um das Budget einzuhalten.

Sein Problem war nur, dass er aufgrund des hohen Andrangs und eines Großprojekts einige Wochen für unser Angebot benötigte. Ein Problem war es nicht deshalb, weil uns dadurch die Zeit davon gelaufen wäre, sondern deshalb, weil wir in der Zwischenzeit einen Tipp für ein weiteres Küchenstudio bekommen hatten, das wir uns dann noch anschauten und für das wir uns letztlich entschieden. Der Grund, warum wir uns gegen Scala Küchen entschieden haben, war dabei allerdings sehr minimal. Wir wären mit dieser Küche bestimmt auch super glücklich gewesen, der andere Entwurf passte nur einen Tick besser zu uns. Soweit wir es durch die Beratung beurteilen können, kann man Scala Küchen auf jeden Fall empfehlen.

 

Küchenstudio 4: Ihr Küchenstudio+ (Holger Ohneseit, Hergensweiler DE): Unsere Traumküche

Küchenstudio Ohneseit

© Küchenstudio Ohneseit, verwendet mit Erlaubnis von Holger Ohneseit

Zum Küchenstudio von Holger Ohneseit waren wir durch einen Tipp aus der Familie gekommen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt gerade etwas frustriert von der Küchen-Thematik, weil wir gerade das Angebot vom ersten und die Aussage mit den Auszügen vom zweiten Küchenstudio hatten. Glücklicherweise ließen wir uns dennoch überreden, uns noch ein Studio anzusehen. Wir riefen an, um einen Termin zu vereinbaren, und er hatte gleich am selben Abend Zeit für uns, praktischerweise nach unserer Arbeitszeit. Das Angebot bekamen wir schon am darauffolgenden Abend, in Sachen Geschwindigkeit also schon einmal unschlagbar.

Das Küchenstudio ist sehr wohnlich eingerichtet, es gibt zwar sehr elegante Küchen, aber auch bodenständige, wo wir uns persönlich eher zuhause fühlen. Mit unserem Budget liegen wir auch voll in seiner Zielgruppe, weshalb diese Preiskategorie in seiner Ausstellung ein höheres Gewicht hat als bei anderen Studios. Wir wurden gleich eingehend beraten. Holger hatte auch alle Produkte, von denen er uns erzählte, in seiner Ausstellung und erklärte uns genau die Unterschiede, etwa bei den Auszügen und Schanieren, den verschiedenen Dunstabzugsarten, Herdtypen usw. Dabei zeigte er viel Fachwissen. Wir hatten allgemein bei ihm eher das Gefühl, mit einem Fachmann zu sprechen als mit einem Verkäufer. Auf all unsere Fragen hatte er eine Antwort und nahm sich bei allen Terminen sehr viel Zeit für uns. Wir haben auch direkt 3D-Ansichten und Pläne mitbekommen, um alles noch einmal für uns durchgehen zu können. Eingeplant wurden Produkte von Altano, AEG, Siemens und Lieberr.

Sein Entwurf für die Küche hat uns direkt so gut gefallen, dass wir ihn fast genau so übernommen haben. Nach aktuellem Stand können wir das Küchenstudio also voll und ganz empfehlen.

 

Fazit

  • Die kleinen Küchenstudios können mit den Preisen der großen gut mithalten und man bekommt hier teilweise bessere Beratung in angenehmerer Atmosphäre.
  • Man sollte sich nicht zum Abschluss drängen lassen. Ein paar Tage Bedenk- und Vergleichszeit müsste immer drin sein. Will der Berater einem das ausreden, ist das Angebot meistens nicht so gut, wie er sagt.
  • Wenn man kein Angebot mitbekommt, ist das Angebot meistens nicht das beste. Der Verkäufer muss einem ja nicht gleich die 3D-Zeichnungen aushändigen, was tatsächlich die komplette Planung preisgeben wäre, aber ein Angebot, um sich auch mal über die Geräte und Marken zu informieren, sollte bei jedem seriösen Anbieter drin sein.
  • Es macht Sinn, mehrere Studios zu vergleichen, um das zu finden, das am besten zu einem passt.
  • Wenn man ein bestimmtes Budget hat, macht es Sinn, das von vorn herein zu nennen. Wenn man dann noch die Dinge angibt, die einem wichtig sind, und sich Preis- und Ausstattungsvorstellung einigermaßen decken, bekommt man ziemlich sicher eine passende Küche.
  • Man sollte früh genug mit der Suche nach dem richtigen Küchenstudio und der Planung beginnen, besonders, wenn es auf den Jahreswechsel zugeht, vor dem immer noch viele Kunden anfragen, da danach die Preise steigen, wodurch die Küchenstudios viel zu tun haben. Auch die Planung an sich kann einige Treffen benötigen, da es viele Details zu besprechen gilt und ein guter Berater einem auch viel zu erzählen hat.
  • Die Berater der guten Küchenstudios sind genau auf unsere Wünsche eingegangen und haben nicht versucht, uns von etwas zu überzeugen, nur weil sie selbst es gut finden, und so sehr genau unseren Geschmack getroffen.